Vorwort

Die Lok Friedrich (Friedrich Harkort) Bn2t, Henschel & Sohn, Bj. 1949, Fabr. -Nr. 27119 ging zuerst an die Firma Karl Plinke, Bauunternehmung für Hoch-, Tief- und Stahlbetonbau in Hannover, wurde aber wenige Monate später von dort an die Klöckner Bergbau AG in Hagen-Haspe für ihre Schlackenbahn verkauft. Die Maschine wurde dort jedoch im seitlichen Breitenmaß wesentlich verkleinert, um den Platzverhältnissen in der Hütte zu entsprechen. Nach dem Ende ihrer Dienstzeit in Haspe wurde sie 1973 auf einem Spielplatz in Gevelsberg-Vogelsang aufgestellt. 1984 kaufte die Märkische Museums-Eisenbahn (MME) in Hüinghausen die Maschine für ihr Netz. Zu einer Spuranpassung von 900 auf 1000 mm und einer Wiederaufarbeitung kam es jedoch aus verschiedenen Gründen nicht. Am 23.02.2012 erwarben der Eisenbahnfreunde Witten e.V. die Maschine, um sie als Denkmal im Wittener Hauptbahnhof aufzustellen. Bis zum Jahre 2016 gab es mehrere Anläufe die Maschine mit Unterstützung von Sponsoren und Partnern aus der Industrie wieder herzurichten, jedoch stellte sich die geplante historische Wiederherstellung gemäß den originalen Henschel-Zeichnungen als zu ambitioniert dar.

Das Übereinkommen.

Im Jahre 2016 trugen die Eisenbahnfreunde Witten ihr Anliegen dann an die Stiftung-Historischer Eisenbahnpark-Niederrhein (SHEPN) heran, da man dort im Vorfeld schon einige historische Fahrzeuge wieder zu neuem Leben erwecken konnte. Unter anderen hatte Dipl.-Ing. Rainer Wiegand die Federführung zur Aufarbeitung der 78 468 inne, die seit ihrer Wiederinbetriebnahme viele Sonderzüge, auch für die EFW, bespannt hatte. Auch mit der Aufarbeitung der 94 1538 konnte Wiegand überzeugen; die ex. Dillenburger Steilstrecken-Maschine begeisterte seit 1998 als DB-Steilstreckenlok viele Eisenbahnfreunde.

Man kam zu einer Übereinkunft und übertrug die gesamte Aufarbeitung des "Friedrich" der SHEPN. Die Projektleitung übernahm seitens der Stiftung Rainer Wiegand und von den EF Witten Klaus Tillmann. Der Start konnte jedoch erst im November 2016 erfolgen, da zuerst alle vorhandenen und fehlenden Teile katalogisiert und Blech vom Schrott getrennt werden musste. Insbesondere am geschweißten Blechrahmen waren mehr als ein Drittel der Rahmenbleche auszutrennen und zu erneuern

Wiederaufbau

Am Standort der SHEPN in Rheinkamp wurde der Rahmen sorgfältig gereinigt, untersucht und stabilisiert. Nach den Sandstrahlarbeiten, welche ein Unternehmen in Dortmund ausführte, endschied man sich, die Fertigstellung der Lok bei dem Historischen Eisenbahnverein Gelsenkirchen (HEG) durchzuführen. Die ehemalige Diesellokwerkstatt im alten Bahnbetriebswerk Gelsenkirchen Bismarck bot hierfür gute Voraussetzungen.

Nach dem Ausbau aller verrotteter Bereiche zeigte sich der Blechrahmen in dem oben gezeigten Zustand. Nach einer Grundreinigung ging dieser dann zum Strahlen und Grundieren nach Dortmund.

Der auf dem Rücken liegende Rahmen in der ehem. Dieselhalle des Bahnbetriebswerkes Gelsenkirchen Bismarck. In dieser Position ist das Einpassen der Achslager und das probeweise Einbringen der Radsätze wesentlich leichter, da das Überkopfarbeit entfällt.

Die komplett neu erstellten Wasserkästen zeigen sich in typischer Henschel-Bauart, mit abgerundeten Längskanten.

Von Hand aufgearbeiteten Steuerungsteile des Friedrich, vor und nach der Oberflächenbehandlung

Unten ein nach Henschel-Zeichnungen gefertigtes Neubauteil, da das Original verschollen war.

Oben der originale rechte Kreuzkopf mit dem gegossenen Kreuzkopfoberteil, unten der linke mit neu konstruierten und geschweißtem Kreuzkopfdeckel samt Schmiergefäß. Hier zeigte sich einmal mehr wie begrenzt der Nutzen des Henschel-Zeichnungssatzes war, da Passungen und Toleranzen neu festlegt werden mussten.

Auch die Lagerkästen, Kurbelbolzen und Achslagerflächen mußten neu geschliffen werden, selbst angesichts des kurzen Weges vom Bahnhofsvorplatz in die Halle, haben wir die Rollfähigkeit der Lok sichergestellt. Kann ja sein, dass es Gründe geben kann, die Maschine am Standort in Witten nochmals zu verschieben. Dies läßt sich dann mit ein paar Mann von Hand bewerkstelligen.

Eine Vielzahl von Teilen mußten neu gezeichnet und angefertigt werden, da die Profielanpassungen in Haspe doch erheblich waren. Auch am Fahrwerk mussten zahlreiche Halter und Konsolen wieder auf das alte Maß gebracht werden. Die neuen, genieteten Pufferträger sind vorne und hinten am Rahmen angebaut und schon mit den Eichenholz-Bahnräumern verschraubt. Im weiteren Verlauf konnten so die erste aufgearbeiteten Teile, wie Radsätze, Steuerung und Bremsanlage probeweise angebracht werden.

In der Folgezeit wurden alle Untergruppen weiter aufgearbeitet, teilweise montiert und gestrichen. Im Juni 2017 waren wir so weit, dass wir den vormontierten Rahmen drehen und für die Weitermontage auf ein Schwerlastfahrgestell aufsetzen konnten. Bis zum Anbau des Kessels ist dann noch das gesamte Triebwerk angebaut worden. Im Anbetracht der Aktivitäten im Bw Bismarck haben wir auch hohen Besuch bekommen, der ehemalige und letzte C–Gruppenleiter des BW Bismarck, Dipl.-Ing. Jörg Sekund, besuchte uns in seiner alten Wirkungsstätte.

Im Sommer 2017 waren die Arbeiten soweit gediehen; die EFW konnten "Hochzeit" feiern. Das Aufsetzen des Kessels sollte gebührend gefeiert werden. Die Eisenbahnfreunde selbst reisten von Witten stielecht mit dem Schienenbus zum Bw Bismarck. Man hatte Musik, Waffeln, Kuchen, Bier, Bratwurst und gute Laune mitgebracht, umso schöner verlief die Feier nach dem erfolgreichen Aufsetzen des Kessels auf das Fahrwerk.

Da der Bahnhofseigner in Witten zwischenzeitlich den 13 Oktober 2017 zum Schicksalstag ernannt hatte, musste der Weiterbau ohne Verzögerung fortlaufen. Mit dem Aufbau von Führerstandboden, den Umlaufblechen, der Zylinderverrohrungen, dem Neubau und Anpassen der Kesselverkleidung sowie einiger Korrekturen an den Wasserkästen usw. war noch ein Riesenpensum zu bewältigen.

Allmählich wurden auch die Tage wieder kürzer, so dass die Arbeiten nur unter Hallenlicht weitergehen konnten. Führerhausrückwand, Kesselverkleidung und Wasserkästen mussten mehrfach probeweise angebaut und angepasst werden, da auch die Wasserkastenhöhen in Haspe verändert worden war. Alle alten Träger mussten verändert werden, damit alles auch mit dem neuen Führerhausboden in einer Flucht liegt.

Auch das Führerhaus ist wieder exakt nach den alten Henschel-Zeichnungen neu erstanden, markant auch hier die Henschel-typische Rundung in der Dachform.

Mehr geht nicht! der Oktober ist angebrochen, unser Lackierer hat das Schwarz schon aufgetragen, aber vor der Weitermontage müssen noch die geschliffenen Kesselbänder ihren Platz finden.

Silber ziert nun den Kessel. Wenige Schritte noch, dann sind die grünen Wasserkästen auch wieder an ihrem Platz. Trotz des Zeitdrucks machte sich schon ein bisschen Wehmut breit, hatte sich doch eine schlagfeste Gemeinschaft zusammengefunden. Außerdem hätte ja nicht mehr allzu viel bis zur Betriebsfähigkeit gefehlt…. Na ja, da wird sich schon was Neues für unser Team finden… Ein Normalspur-B-Kuppler, a´ la preußischer T2 vielleicht.?

Ein Feierabend-Bier am letzten Abend des Friedrich in Bismarck. Am nächsten Morgen, Freitag den 13. Oktober 2017 wird er zu seiner vorerst letzten Fahrt nach Witten aufbrechen.

Der 13. Oktober ist angebrochen und die Maschine steht wieder in einem historisch korrekten und lauffähigen Zustand in Bismarck zur Abfahrt bereit. In der Folge müssen nur noch ein paar weitere Anbauteile ihren Platz wiederfinden. Das wird dann aber erst im Wittener Bahnhof erfolgen. Beim "Wann" und "Wie" haben jetzt die Eisenbahnfreunde Witten das Wort!

Dank der tatkräftigen Unterstützung vieler Helfer aus anderen Organisationen, genannt seien hier Sven Neunzig, Michael Unger und Hendrik Vogelsang sowie den Firmen Stork Oberflächentechnik und KHS GmbH, beide aus Dortmund, konnten wir den engen Termin -wie zugesagt- halten. Dabei wurden von November 2016 bis Oktober 2017 von allen zusammen mehr als 3500 Arbeitsstunden geleistet und gut 40.000 km verfahren. Glück Auf Friedrich !